Zusätzliche Reinigungsstufe für Mikroverunreinigungen
Medikamente, Hormone und Kosmetika, aber auch andere Produkte enthalten über 30 000 verschiedene Chemikalien. Diese gelangen in kleinsten Konzentrationen ins Abwasser und werden deshalb als Mikroverunreinigungen bezeichnet. Herkömmliche ARA können Mikroverunreinigungen nicht oder nur teilweise entfernen. Mit einer zusätzlichen Reinigungsstufe können Mikroverunreinigungen entfernt werden. Die Reinigungsstufe zum Entfernen von Mikroverunreinigungen ist eine gesetzliche Vorgabe des Bundes, die von den grossen ARA in der Schweiz, darunter auch Winterthur, umgesetzt werden muss. Der Bund finanziert 75 Prozent der Erstinvestitionen mittels einer gesamtschweizerischen Abwasserabgabe. Winterthur setzt für die Elimination der Mikroverunreinigungen auf ein Verfahren mit granulierter Aktivkohle.
Erneuerung der biologischen Reinigungsstufe
Mit dem Um- und Neubau der Biologie, dem Umbau der Filtration sowie der Sanierung und dem Umbau der Nachklärung wird die biologische Reinigungsstufe erneuert. Die biologische Reinigung wird mit einem neuen Verfahren ausgerüstet, sodass künftig gemäss kantonalen Vorgaben 70 Prozent des Stickstoffs abgebaut werden kann (heute 50 Prozent). Die bestehenden östlichen Biologiebecken aus den 60er-Jahren werden durch neue, grössere Becken ersetzt. Die westlichen Becken aus den 90er-Jahren bleiben erhalten, werden jedoch umgebaut und saniert.
Stromversorgung modernisieren
Im selben Zug muss auch die Stromversorgung angepasst werden. Statt zwei werden künftig vier Transformatorenstationen die Stromversorgung sicherstellen. Damit der Betrieb auch bei einem Stromunterbruch funktioniert, wird die Notstromversorgung ausgebaut. Altersbedingt werden zudem weitere Anlagen, Komponenten und Gebäude saniert (z. B. Betriebsgebäude, Werkleitungskanal, Faulanlage).
Massnahmen zur ökologischen Nachhaltigkeit
Neben dem obersten Ziel, den Gewässerschutz zu verbessern, werden auch weitere Umweltmassnahmen umgesetzt. Auf dem gesamten Areal entstehen ökologisch wertvolle grüne Inseln mit Bäumen, Sträuchern und Hecken. Mehrere Dächer werden begrünt. Zudem sind mehrere Photovoltaik-Anlagen vorgesehen.
Kosten
Für den Ausbau und die Erneuerung der ARA (Projekt «ARA West») ist ein Verpflichtungskredit von 276 Millionen Franken (ohne Mehrwertsteuer und Teuerung) erforderlich. Das Projekt wurde durch eine unabhängige Zweitmeinung geprüft. Die Prüfung kam zu einer positiven Beurteilung. Die Erneuerung entspricht dem Stand der Technik. Die Kosten sind nachvollziehbar und dem Projektumfang angemessen.
Die Finanzierung erfolgt über Einnahmen aus den Abwassergebühren. Alle angeschlossenen Gemeinden beteiligen sich anteilsmässig. Aufgrund der anstehenden grossen Investitionen in die ARA und das Kanalisationsnetz (nicht Gegenstand der Abstimmungsvorlage Projekt «ARA West») wird eine Erhöhung der Abwassergebühren in den kommenden Jahren unumgänglich sein.