Geschäftsbericht 2020

Organisation

Vorbildlicher Beitrag zu den Klimazielen 2050

Auch im Jahr 2020 hat Stadtwerk Winterthur einen wichtigen Beitrag geleistet, damit die Energie- und Klimaziele 2050 erreicht werden können. Nach dem Verzicht auf das Produkt E-Strom.Grau – mit Strom aus fossilen und nuklearen Quellen – im Jahr 2019 sind im Berichtsjahr mehrere Beschlüsse im Bereich Gas gefolgt. So bietet Stadtwerk Winterthur in der Grundversorgung seit April 2020 nur noch Biogas und CO2-kompensiertes Erdgas an – Erdgas ohne CO2-Kompensation ist aus dem Angebot gestrichen worden. Wer ein Erdgasauto fährt, profitiert seit Anfang 2020 von einem auf 20 Prozent verdoppelten Biogasanteil. Auf Anfang 2021 wird der Biogasanteil in den Gasprodukten erneut erhöht. Des Weiteren hat der Winterthurer Stadtrat am 8. April 2020 beschlossen, dass Gasanschlüsse nicht mehr aktiv verkauft werden dürfen. Überdies prüft der Stadtrat eine Änderung der Verordnung über die Abgabe von Gas (VAG) hinsichtlich der Kostenübernahme von Gasabtrennungen durch Stadtwerk Winterthur. Dies steht im Einklang mit dem Ziel, das Gasnetz gemäss kommunalem Energieplan bis 2030 in zusätzlichen Gebieten stillzulegen.

 

Ein Urteil, das die eidgenössische Wettbewerbskommission im Mai 2020 gefällt hat, wird zu einer schweizweiten Öffnung des Gasmarkts führen. Wie bei der ebenfalls absehbaren kompletten Öffnung des Strommarkts entsteht dadurch für Stadtwerk Winterthur Konkurrenz. Damit die Kundinnen und Kunden ihrem Energieversorger treu bleiben, braucht es Vertrauen. Um dieses zu stärken, setzt Stadtwerk Winterthur auf eine zuverlässige Versorgung mit Strom, Wärme, Gas und Wasser sowie auf ein funktionierendes Glasfasernetz. Ebenso setzt Stadtwerk Winterthur auf eine funktionierende Abwasserreinigung und Kehrichtverwertung –  und auf attraktive Preise. Dass es dabei zu Konflikten mit den Energie- und Klimazielen kommen kann, ist nicht von der Hand zu weisen. Ziel der Politik ist es, hier einen von der Mehrheit akzeptierten Konsens zu finden.

 

Alle zwei Jahre untersucht das Bundesamt für Energie, in welchem Mass Schweizer Energieversorgungsunternehmen zur Energiestrategie 2050 des Bundes beitragen. 2020 hat Stadtwerk Winterthur im Bereich Wärme und Gas Platz 6 von 61 mittelgrossen Unternehmen belegt und im Bereich Strom Platz 7 von 93 Unternehmen. Die Studie bestätigt, dass Stadtwerk Winterthur einen vorbildlichen Beitrag zu den energie- und klimapolitischen Zielsetzungen der Stadt Winterthur leistet.

 

Stadtrat Stefan Fritschi, Vorsteher Departement Technische Betriebe

 

Stadtwerk Winterthur leistet einen vorbildlichen Beitrag zu den energie- und klimapolitischen Zielsetzungen der Stadt Winterthur.
Stefan Fritschi, Stadtrat, Departementsvorsteher Technische Betriebe

Die gute Vorbereitung hat sich bewährt

Die Coronavirus-Pandemie hat es augenfällig gemacht: Die sichere Versorgung von Winterthur mit Strom, Gas, Wasser, Fern- und Quartierwärme sowie Glasfaserkommunikation ist essenziell, ebenso eine funktionierende Kehrichtverwertung und Abwasserreinigung. Stadtwerk Winterthur ist sich dieser hohen Verantwortung bewusst. Es ist uns gelungen, unsere Infrastrukturleistungen unter herausfordernden Bedingungen vollumfänglich aufrechtzuerhalten. Das ist möglich gewesen, weil wir Wert darauf legen, dass unsere Versorgungs- und Entsorgungsinfrastruktur technisch solide aufgebaut ist. Ausserdem verfügen wir – nicht erst seit dieser Pandemie – über Krisenpläne und eine gute Krisenvorbereitung.

 

Die Pandemie hat der Digitalisierung von Stadtwerk Winterthur weiteren Schub verliehen. Unter anderem haben wir eine neue digitale Kommunikationsplattform für Mitarbeitende eingeführt. Diese unterstützt, in Zeiten von gesplitteten, örtlich separierten Teams und Homeoffice, optimal den internen Informationsfluss und den gegenseitigen Austausch.

 

Obwohl uns die Pandemie stark forderte, viele Ressourcen absorbierte und den Stromabsatz in Winterthur verringerte, schlossen wir das Geschäftsjahr 2020 finanziell sehr erfolgreich ab. Die Ökologisierung der Produkte trieben wir weiter voran. Auf dem für Grossverbraucher freien Strommarkt erzielten wir mit unseren attraktiven Preisen bemerkenswerte Kundenzugänge.

 

Die Zusammenarbeit mit Politik, Behörden, Geschäftspartnern, Medien und Öffentlichkeit war auch 2020 von Vertrauen und Wertschätzung gekennzeichnet. Die guten Resultate einer Umfrage in Zusammenarbeit mit Swisspower bei der Privatkundschaft runden die positive Jahresbilanz ab. Ich danke allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihren pflichtbewussten und engagierten Einsatz unter den ausserordentlichen Verhältnissen im Jahr 2020.

 

Trotz Coronavirus-Pandemie sind wir «am Ball» und dynamisch geblieben – das illustriert das Bildthema des vorliegenden Geschäftsberichts. Stellvertretend für alle Mitarbeitenden äussern sich zwölf dazu, welchen Einfluss dieses aussergewöhnliche Ereignis auf ihren Arbeitsalltag hat.

 

Marco Gabathuler, Direktor Stadtwerk Winterthur

Wir legen Wert auf eine technisch solide Versorgungs- und Entsorgungsinfrastruktur. Deshalb ist es uns gelungen, unsere Infrastrukturleistungen unter herausfordernden Bedingungen vollumfänglich aufrechtzuerhalten.
Marco Gabathuler, Direktor Stadtwerk Winterthur

Personelles

Gegen Ende 2019 hat Stadtwerk Winterthur einen Prozess zur Organisationsentwicklung gestartet. Es geht um einen langfristigen Lernprozess, der Stadtwerk Winterthur im Umgang mit künftigen Herausforderungen unterstützen soll. Im Rahmen eines Workshops im Januar 2020 hat die Geschäftsleitung gemeinsam mit den Führungskräften des mittleren Kaders sechs Handlungsfelder definiert:

  • Zukunftsorientierung
  • Kontinuierliches Lernen
  • Ergebnisorientierung
  • Gesamtunternehmerisches Denken
  • Entscheiden
  • Persönliche Haltung

Um einen solchen Prozess umzusetzen, braucht es persönliche Kontakte. Virtuelle Treffen, wie sie wegen der Coronavirus-Pandemie notwendig geworden sind, eignen sich dafür weniger. Deshalb hat der Prozess im Lauf des Jahres 2020 an Tempo verloren. Er wird aber an Fahrt aufnehmen, sobald persönliche Treffen in kleineren und grösseren Gruppen wieder möglich sind.

 

Die Pandemie beschäftigte Stadtwerk Winterthur zwar stark, bedeutende Personalausfälle konnten aber vermieden werden. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hielten sich vorbildlich an die Schutzkonzepte.

 

Rund zwei Dutzend Mitarbeitende haben 2020 ihre Stelle intern gewechselt, häufig verbunden mit einem Karriereschritt. Das zeigt, dass bei Stadtwerk Winterthur interne Aufstiegsmöglichkeiten geboten werden. Und es macht Stadtwerk Winterthur zu einem attraktiven Arbeitgeber. Auch der Frauenanteil in Führungspositionen ist in den letzten fünf Jahren um 4 Prozent gestiegen.

Betriebliches Umweltmanagement

Das Kulturzentrum Gaswerk ist an den Wärmeverbund Sulzerareal Stadtmitte angeschlossen worden. Die Wärmeleitung führt vom Standort Schöntal von Stadtwerk Winterthur unter einem Wildbienenhotel hindurch zum Kulturzentrum. Dieses Bienenhotel ist während der Bauarbeiten entfernt und danach wieder aufgestellt worden. Es bietet wertvollen Insekten weiterhin eine Nisthilfe. Die Anwohnerinnen und Anwohner haben  darauf positiv reagiert – ein schönes Zeichen dafür, dass so ein Engagement von der Bevölkerung wahrgenommen und geschätzt wird.

 

Bei der Erneuerung der eigenen Fahrzeugflotte setzt Stadtwerk Winterthur weiterhin auf Elektrifizierung, wo dies möglich und sinnvoll ist. Vor allem im Stadtverkehr sind Elektrofahrzeuge eine gute ökologische Alternative gegenüber Benzin- oder Dieselfahrzeugen. Von den 126 Fahrzeugen fahren Ende 2020 bereits 46 emissionsfrei mit Strom, 25 Fahrzeuge werden mit Gas angetrieben.

 

Der Umbau des Standorts Schöntal zeigt energietechnisch Wirkung: Der Energieverbrauch hat sich gegenüber vorher um rund einen Drittel reduziert. Wird der Verbrauch des früheren Hauptsitzes an der Unteren Vogelsangstrasse addiert, hat er sich sogar halbiert.

vier orange Bälle
Bild Legende:

Produktion

Energie aus eigenen Anlagen

Die Kehrichtverwertungsanlage (KVA) ist die bedeutendste Anlage von Stadtwerk Winterthur zur Produktion von Energie. Bislang ist der in der KVA mittels Dampfturbine produzierte Strom zu 50 Prozent aus der kostendeckenden Einspeisevergütung des Bundes gefördert worden. Diese Förderung ist 2020 ausgelaufen. Seither wird dieser Strom direkt vermarktet. Der Wechsel hat 2020 zu einem grossen finanziellen Mehrertrag geführt.

 

Die KVA produziert sowohl Fernwärme als auch Strom: je kleiner der Fernwärmebedarf, desto grösser die Stromproduktion. Der relativ warme Winter 2020 hat deshalb zu einer Mehrproduktion von Strom geführt. Durch den kühleren Frühling ist dies jedoch teilweise kompensiert worden.

 

2020 hat Stadtwerk Winterthur 15 neue Fotovoltaikanlagen erstellt. Diese erbringen eine zusätzliche Stromproduktion von durchschnittlich 273 000 Kilowattstunden pro Jahr. 13 davon sind als E-Solardach.Single auf Einfamilienhäusern errichtet worden. Auf städtischen Liegenschaften sind bis zum Jahr 2025 100 weitere Anlagen geplant.

 

Eigenproduktion in Beteiligungsgesellschaften

Zur Steigerung der Produktion von Strom aus erneuerbaren Energien ist die Stadt Winterthur, vertreten durch Stadtwerk Winterthur, an den zwei Gesellschaften Aventron Holding AG und Swisspower Renewables AG beteiligt. Diese verfügen über zahlreiche Wasser-, Wind- und Solarkraftwerke in der Schweiz und in verschiedenen Ländern Europas.

 

Aventron besitzt unter anderem die zwei grössten Fotovoltaik-Dachanlagen in der Schweiz. Eine davon ist die 6,5-Megawatt-Anlage auf einem Verteilzentrum von Aldi Suisse in Perlen LU. Diese hat den Schweizer Solarpreis 2020 in der Kategorie PlusEnergieBauten gewonnen. Die Fotovoltaikanlage ist so gross wie die Fläche von sechs Fussballfeldern und produziert mehr als doppelt so viel Strom, wie das Verteilzentrum selbst verbraucht.

 

In der spanischen Provinz Toledo ist im Juni 2020 das 50-Megawatt-Solarkraftwerk «Bargas » von Aventron ans Netz gegangen. Dieses Kraftwerk kann ohne Subventionen wirtschaftlich betrieben werden.

 

Das sind zwei Beispiele, wie die Stadt Winterthur über ihre Beteiligungen indirekt einen Beitrag zur Energiewende leistet. Ein weiteres Beispiel ist die Biogasanlage der Kompogas Winterthur AG, an welcher die Stadt  Winterthur, ebenfalls vertreten durch Stadtwerk Winterthur, beteiligt ist. Diese Anlage produziert aus Grüngut von Winterthur und Frauenfeld sowie weiteren Gemeinden Biogas. Im Berichtsjahr hat die Anlage insgesamt 22 323 Tonnen Grüngut verwertet. 2020 hat der Produktionsanteil der Stadt Winterthur 14 Prozent des Winterthurer Bedarfs an Biogas abgedeckt.

 

vier orange Bälle
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Versorgung

Strom

Die Stadt Winterthur wird über fünf Unterwerke mit Strom versorgt. Deren Aufgabe besteht darin, den mit einer Spannung von 110 000 Volt angelieferten Strom auf 11 300 Volt zu transformieren. Das Unterwerk Grüze ist das grösste der Stadt Winterthur. Nach gut zwanzig Jahren ist dessen Steuer- und Schutztechnik erneuert worden, damit die umliegenden Industriegebiete sowie angeschlossene Wohnquartiere weiterhin sicher und zuverlässig mit Strom versorgt werden. Die Erneuerung ist bei laufendem Betrieb erfolgt – von Februar bis Oktober 2020.

 

In Neuhegi hat 2020 der Bau eines grossen Rechenzentrums eines internationalen Unternehmens mit 8 Megawatt Anschlussleistung begonnen, vier weitere werden folgen. In diesem Zusammenhang wird das Unterwerk Grüze stufenweise ausgebaut, um stets die vom Rechenzentrum benötigte Leistung zur Verfügung stellen zu können. 2020 hat Stadtwerk Winterthur deshalb mit dem Bau der Rohrtrassen vom Unterwerk Grüze nach Neuhegi begonnen. Die Bauarbeiten erfolgen aufgrund diverser Gleisquerungen teilweise im Rammvortriebsverfahren. Dabei wird ein Stahlrohr durch die Erde gerammt. In dieses werden danach Kabelschutzrohr und Stromkabel eingezogen.

 

Da die Materialkosten für Aluminium rund 40 Prozent tiefer liegen als für Kupfer, erneuert Stadtwerk Winterthur das Mittelspannungsnetz (11 300 Volt) künftig mittels Aluminiumkabel. Dadurch lassen sich Investitionskosten von durchschnittlich 80 000 Franken pro Jahr einsparen. Die gegenüber Kupfer geringere Leitfähigkeit von Aluminium wird durch einen grösseren Leitungsquerschnitt kompensiert. Das erste Aluminiumkabel ist im Herbst 2020 von Oberseen nach Gotzenwil verlegt worden: Eine Erdverkabelung ersetzt die bisherige Freileitung.

 

Bis Ende 2027 rüstet Stadtwerk Winterthur aufgrund einer Bundesvorgabe mindestens 80 Prozent der Messeinrichtungen für Elektrizität mit Smart Metern (intelligenten Zählern) aus. 2020 sind 6000 Smart Meter eingebaut worden. Insgesamt sind bereits 17 000 Stück installiert; der Endausbau umfasst rund 70 000 Smart Meter.

 

Der Stromabsatz sank während des Lockdowns im Frühling kurzfristig um 20 Prozent. Im Laufe des Jahres erholte sich der Absatz jedoch wieder.

Kennzahlen Strom

Kennzahlen Strom

Durchgeleitete Menge

507 Mio. kWh

 

Umsatz

98 Mio. CHF

 

Investitionen

18 Mio. CHF

 

 

Gas

Im April 2020 hat der Winterthurer Stadtrat in einer Postulatsantwort an den Grossen Gemeinderat informiert, dass Gasanschlüsse nicht mehr aktiv verkauft werden. Stadtwerk Winterthur unternimmt deshalb keine verkaufsfördernden Massnahmen mehr für den Anschluss von Liegenschaften. Neue Gasanschlüsse werden auch in den gasversorgten Eignungsgebieten gemäss Energieplan der Stadt Winterthur nur noch auf expliziten Wunsch der Kundschaft und nur in begründeten Ausnahmefällen erstellt. Dieser Entscheid ist ein Schritt auf dem Weg zur Erreichung der energie- und klimapolitischen Ziele der Stadt Winterthur. Diese sollen z. B. bei der Wärmeerzeugung in Gebäuden durch den Umstieg auf erneuerbare Energien erreicht werden und so die Treibhausgasemissionen senken.

 

Gas als Energieträger sollte nur noch verwendet werden, wenn es erneuerbar ist. Stadtwerk Winterthur geht davon aus, dass nur rund ein Drittel des heutigen Gasverbrauchs mit erneuerbarem Gas gedeckt werden kann. Deshalb muss das Gasnetz auf rund einen Drittel der heutigen Länge verkleinert werden. Gas soll künftig nur noch dort eingesetzt werden, wo keine Alternativen bestehen, etwa zur Spitzenlastdeckung in Quartierwärmeverbünden. Ein anderes Beispiel sind Einsätze, die hohe Temperaturen benötigen, etwa in der Industrie als sogenanntes Prozessgas. Deshalb hat der Stadtrat Stadtwerk Winterthur mit der Erarbeitung einer Strategie über die Zukunft der Gasversorgung beauftragt.

 

Das kantonale Energiegesetz, das der Zürcher Regierungsrat im Mai 2020 an das Parlament überwiesen hat, dürfte ebenfalls Auswirkungen auf die Verwendung von Erdgas haben: Nicht nur bei Neubauten, sondern auch beim Ersatz von fossilen Heizungen sollen in Zukunft erneuerbare Energien eingesetzt werden. Stadtwerk Winterthur ist deshalb beim Leitungsbau zunehmend zurückhaltend. Gasleitungen werden nur noch dort ersetzt, wo dies gleichzeitig mit der Erneuerung der Wasserleitungen erfolgen kann oder wo dies aus Sicherheitsgründen notwendig ist.

 

Seit April 2020 gibt es das Gasprodukt E-Gas.Grau nicht mehr. Dieses hat zu 100 Prozent aus Erdgas bestanden – ohne CO2-Kompensation. Durch den Wegfall lassen sich jährlich 25 000 Tonnen CO2 vermeiden. Die vier verbleibenden Gasprodukte der Angebotspalette bestehen aus unterschiedlichen Anteilen Biogas und CO2-kompensiertem Erdgas. Ab Januar 2021 wird der Biogasanteil nochmals deutlich erhöht. Bei der CO2-Kompensation kauft Stadtwerk Winterthur nur Zertifikate, die höchsten Standards für Klimaschutzprojekte entsprechen («Gold Standard» oder «Verified Carbon Standard»).

Kennzahlen Gas

Durchgeleitete Menge

442 Mio. kWh

 

Umsatz

39 Mio. CHF

 

Investitionen

2 Mio. CHF

Fernwärme

Die grösste «Heizung» von Winterthur ist die Kehrichtverwertungsanlage (KVA). Das von ihr gespeiste Fernwärmenetz liefert rund 20 Prozent des in der Stadt Winterthur benötigten Wärmebedarfs. Die aus der Kehrichtverwertungsanlage genutzte Abwärme gilt als CO2-neutral.

 

Das Netz wird laufend verdichtet. 35 Liegenschaften, mit einem Gesamtverbrauch von 2663 Kilowatt, sind 2020 neu ans Fernwärmenetz angeschlossen worden. Dem dadurch erhöhten Wärmeabsatz steht ein eher warmes Jahr gegenüber, sodass der Fernwärmeabsatz nur 1,2 Prozent über demjenigen von 2019 liegt.

 

Die klassische Fernwärmeversorgung erfolgt im Winter auf einem Temperaturniveau von 130 Grad Celsius. Der geplante Ersatz der Verbrennungslinie 2 der Kehrichtverwertungsanlage wird ab 2028 eine zusätzliche Abwärmenutzung ermöglichen. Die aus dem Rauchgas bei den Wäschern und den Kaminen gewonnene Wärme liegt mit 85 bzw. 100 Grad jedoch auf einem tieferen Temperaturniveau. Künftig können so weitere Gebiete, z. B. das Industriegebiet Rudolf-Diesel, mit Abwärme aus der KVA versorgt und die bisherige fossile Wärmeversorgung durch eine CO2-arme ersetzt werden.

Kennzahlen Fernwärme

Absatzmenge

172 Mio. kWh

 

Umsatz

10 Mio. CHF

 

Investitionen

3 Mio. CHF

 

Angschlossene Leistung

129 MW

Wasser

Auf dem Brühlberg in Winterthur steht ein grosser Wasserspeicher, das Reservoir Waldhof. Dieses versorgt rund 70 000 Einwohnerinnen und Einwohner mit Trink-, Brauch- und Löschwasser. Die Zuleitung zum Reservoir ist über siebzig Jahre alt gewesen und hat aus im Alter bruchanfälligem Grauguss bestanden. Ein Bruch dieser Leitung hätte die Wasserversorgung eines Grossteils der Winterthurer Einwohnerinnen und Einwohner beeinträchtigt. Deshalb ist sie im Zeitraum Februar bis September 2020 ersetzt worden. Speziell ist, dass die Leitung in einem Steilhang verläuft. Für die Bauarbeiten ist eine Schneise in den Wald geschlagen worden. Diese hat Stadtgrün bereits wieder aufgeforstet.

 

Die 2019 aufgetauchte Problematik der Rückstände des Pflanzenschutzmittels Chlorothalonil im Trinkwasser ist auch 2020 präsent gewesen. Winterthur ist davon nicht betroffen, weil das Tössgrundwasser, aus dem das Trinkwasser stammt, praktisch nicht beeinträchtigt ist. Doch die Lieferung von Trinkwasser an Partnergemeinden von Winterthur ist 2020 aufgrund der Problematik um rund 40 Prozent gestiegen. Diese Gemeinden hätten sonst zu wenig unbelastetes Trinkwasser gehabt. Winterthur kann diesen Mehrbedarf gut decken – in den 1960er-Jahren ist sogar noch mehr Wasser gewonnen worden als heute. Von den knapp 15 Millionen Kubikmetern Wasser, die 2020 in Winterthur gefördert worden sind, ist gut ein Drittel an die Partnergemeinden geflossen.

 

Das Winterthurer Trinkwasser hat auch im Jahr 2020 eine hohe Qualität aufgewiesen. Stadtwerk Winterthur hat über 700 Wasserproben durch spezialisierte Labors auf rund 100 Inhaltsstoffe kontrollieren lassen. Zusätzlich hat das Kantonale Labor Zürich mehrmals pro Jahr unangekündigt Stichproben genommen. Die gemessenen Werte in den für die Winterthurer Wasserversorgung relevanten Fassungen haben 2020 deutlich unter dem gesetzlichen Höchstwert gelegen. Die Bevölkerung kann das Winterthurer Trinkwasser also weiterhin bedenkenlos konsumieren.

 

Das anhaltende Bevölkerungswachstum und der fortschreitende Klimawandel lassen den Wasserbedarf kontinuierlich steigen. Längerfristig ist die Erschliessung des Grundwassergebiets in Rheinau – für das Winterthur seit Langem ein Nutzungsrecht besitzt – eine Option, die stark an Bedeutung gewinnt.

 

Im Auftrag des Bundes und des Kantons Zürich hat Stadtwerk Winterthur ein Konzept zur Trinkwasserversorgung in Notlagen erarbeitet. Dieses ging 2020 zur Prüfung an die kantonalen Fachstellen.

Kennzahlen Wasser

Absatzmenge

13 Mio. m3

 

Umsatz

17 Mio. CHF

 

Investitionen

8 Mio. CHF

Telekom

2020 sind beim Winterthurer Glasfasernetz wiederum 1500 Nutzungseinheiten (Wohnungen oder Geschäfte) hinzugekommen. Der Grad der Erschliessung ist bei 98 Prozent geblieben, denn Winterthur wächst und hat jedes Jahr mehr Einwohnerinnen und Einwohner. Neu sind südwestlich von Wülflingen die drei Aussenwachten Wieshof, Tössrain und Schweikhof erschlossen. Die Anbindung solcher Weiler ans Glasfasernetz hat der ursprüngliche Erschliessungsplan nicht vorgesehen. Sie wird dennoch vorgenommen, und zwar wenn andere Infrastrukturen wie zum Beispiel Stromleitungen erneuert werden. Weitergeführt worden ist die Glasfasererschliessung von Gebäuden, in denen sich die Datenkonzentratoren von Smart Metern befinden. Die von den Smart Metern gesammelten Energieverbrauchsdaten werden über Glasfaser an Stadtwerk Winterthur übermittelt.

 

Seit Abschluss des Rollouts der Glasfasererschliessung im Jahr 2019 liegt der Fokus von Stadtwerk Winterthur auf der weiteren Verbesserung und Automatisierung des Bestellwesens sowie dem Prozess der  Behebung allfälliger Störungen.

 

Bewährt hat sich das 2019 in Zusammenarbeit mit drei Serviceprovidern gestartete Vermarktungsangebot «Try & Buy»: Eine Kundin oder ein Kunde kann das Angebot dieser Serviceprovider einen Monat lang unverbindlich und kostenlos testen. «Try & Buy» wird deshalb weitergeführt.

 

Der flächendeckende Ausbau des Winterthurer Glasfasernetzes zahlt sich in der Coronavirus-Pandemie für die Winterthurer Bevölkerung und die hiesige Wirtschaft aus. Da Stadtwerk Winterthur eine stabile, ausfallsichere Verbindung mit grosser Bandbreite bietet, sind Online-Shopping, Homeoffice und Online-Unterhaltungen rund um die Uhr möglich.

Kennzahlen Telekom

Umsatz

6 Mio. CHF

 

Investitionen

4 Mio. CHF

vier orange Bälle
Bild Legende:

Entsorgung

Kehrichtverwertung

Die Kehrichtverwertungsanlage (KVA) verfügt über zwei Verbrennungslinien. Die Linie 2 muss erneuert werden, da sie in wenigen Jahren das Ende ihrer technischen Lebensdauer erreicht haben wird. Die Planung dieser Arbeiten ist 2020 mit dem Abschluss der Vorstudie weiter vorangekommen. Die darin geschaffenen Grundlagen werden nun im Vorprojekt vertieft behandelt. Neben dem Ofen müssen auch die Elektrofilter, die Rauchgaswäsche und die Abwasserbehandlungsanlage erneuert werden. Der Ausführungskredit für den Ersatz der Verbrennungslinie 2 wird einer Volksabstimmung unterstehen.

 

Die Effizienz der Kehrichtverwertungsanlage soll durch das Erneuerungsprojekt weiter gesteigert werden. Etwa um künftig zusätzliche Abwärme aus den Rauchgasen aus den Wäschern und den Kaminen zur Wärmeversorgung nutzen zu können. Dadurch kann beispielsweise künftig das Industriegebiet Rudolf-Diesel mit Abwärme aus der KVA versorgt werden.

 

Die Entsorgung von Siedlungsabfällen ist seit Anfang 2019 teilliberalisiert: Haushaltsähnliche Abfälle aus Unternehmen mit mehr als 250 Vollzeitstellen unterliegen nicht mehr dem Entsorgungsmonopol der Gemeinden. Von diesem sogenannten Marktkehricht ist 2020 relativ viel angefallen. Das hat zu einer sehr guten Auslastung der Kehrichtverwertungsanlage beigetragen. Der pandemiebedingte Lockdown im Frühling hat nicht zu einem Einbruch der Abfallmengen geführt. Die Verfügbarkeit der Anlage ist ebenfalls sehr hoch gewesen; es hat praktisch keine Stillstände gegeben.

 

Die Kehrichtverwertungsanlage hielt auch 2020 alle Umweltauflagen ein. Die Grenzwerte der Luftreinhalteverordnungen wurden deutlich unterschritten.

Kennzahlen Kehrichtverwertung

Verwertet Abfallmenge

194 000 Tonnen

 

Umsatz

38 Mio. CHF

 

Investitionen

0 Mio. CHF

Abwasserreinigung

Wenn die Winterthurer Abwasserreinigungsanlage (ARA) ausfällt, führt dies schnell zur Einleitung von Schmutzwasser in die Töss. Die ARA verfügt deshalb über Betriebspläne, die je nach Situation entsprechende Massnahmen auslösen. Infolge der Coronavirus-Pandemie z. B. hat Stadtwerk Winterthur bei der Abwasserreinigungsanlage die besonders strengen Schutzmassnahmen gemäss Pandemieplan umgesetzt. Die Teams sind aufgeteilt und strikt voneinander getrennt worden, auch während der Pausen und der Verpflegung. Das Ziel: Einen Stillstand der Anlage aufgrund von Personalausfällen verhindern. Diese und weitere Massnahmen haben bisher funktioniert; es ist glücklicherweise niemand an SARS-CoV-2 erkrankt und die Abwasserreinigung hat ordnungsgemäss funktioniert.

 

2020 gab es in der ARA nur ein betriebliches Vorkommnis von Bedeutung: Bei Erneuerungsarbeiten an der Steuerung trat ein Fehler auf. Infolgedessen fiel ein Hebewerk während ein paar Minuten aus. Das führte zur Einleitung einiger Kubikmeter Schmutzwasser in die Töss. Mitarbeitende entdeckten die Fehlfunktion rasch und setzten das Hebewerk über die Handsteuerung wieder in Betrieb. Deshalb hatte der Vorfall keine negativen Umweltauswirkungen.

 

2019 haben sechs Gemeinden und die Stadt Winterthur beschlossen, ab etwa 2035 das Abwasser des oberen Tösstals zur Winterthurer Abwasserreinigungsanlage zu führen. Dazu haben sie 2020 die gemeinsame Anstalt «Regionale Abwasserentsorgung Tösstal» gegründet. Eine solche Zentralisierung ist hinsichtlich des Grundwasser- und Gewässerschutzes, aber auch der Kosteneffizienz sinnvoll.

 

Inzwischen haben weitere Gemeinden Interesse an einem direkten Anschluss an die Winterthurer ARA bekundet. Das würde jedoch zu einem schnelleren Erreichen der Kapazitätsgrenze der heutigen Anlage führen als bisher prognostiziert. Zudem sind die Platzverhältnisse für die zu bauende fünfte Reinigungsstufe zur Elimination von Mikroverunreinigungen knapp. Das zeigt das 2020 abgeschlossene Vorprojekt.

Kennzahlen Abwasserreingung

Abwasserdurchfluss

18 Mio. m3

 

Frischschlamm

130 000 m3

 

Umsatz

15 Mio. CHF

 

Investitionen

3 Mio. CHF

vier orange Bälle
Bild Legende:

Dienstleistung

Energieberatung

Im Jahr 2020 hat die Nachfrage von Privatpersonen nach Energieberatungen um insgesamt 20 Prozent abgenommen. Dieser Rückgang ist primär der Coronavirus-Pandemie geschuldet, die zeitweise Besuche bei Kundinnen und Kunden verunmöglicht hat. Die einzelnen Beratungsangebote haben sich aber ganz unterschiedlich entwickelt. Während die Einfamilien- und die Mehrfamilienhausberatungen um rund 70 Prozent zurückgegangen sind, hat sich die Nachfrage für GEAK-Plus-Beratungen (Gebäudeenergieausweis der Kantone) um rund 25 Prozent erhöht. Das liegt daran, dass diese seit 2020 nicht mehr nur durch Stadtwerk Winterthur, sondern auch durch den Kanton Zürich finanziell stark gefördert werden.

 

Die bisherige Impulsberatung ist durch die Beratung «erneuerbar Heizen» ersetzt worden. Sie basiert auf dem Programm «erneuerbarheizen.ch» von EnergieSchweiz, dem auch Stadtwerk Winterthur angeschlossen ist. Es zeigt Hausbesitzerinnen und Hausbesitzern auf, dass der Umstieg von fossiler auf einheimische, erneuerbare Energie langfristig kostengünstiger ist als der 1:1-Ersatz bestehender Öl- und Gasheizungen.

 

Gut besucht war eine vom «HAUSmagazin» organisierte Veranstaltung, die trotz der Pandemie durchgeführt werden konnte. Thema waren Gebäudesanierungen bei Einfamilienhäusern. Zwei von fünf Vorträgen hielten Energieberater von Stadtwerk Winterthur. 

 

Die Energieberatung von Geschäftskundinnen und -kunden ist 2020 auf tiefem Niveau stabil geblieben.

Kennzahl Energieberatung

Energieberatungen für Kundschaft

187

Förderprogramm Energie Winterthur

Der Winterthurer Gebäudebestand weist ein hohes Durchschnittsalter auf. Diese Liegenschaften verbrauchen deshalb in vielen Fällen deutlich mehr Energie als Neubauten. Um die Hauseigentümerschaft zu energetisch wirksamen Investitionen zu bewegen und dadurch den Energieverbrauch der Gebäude zu senken, besteht seit 2012 das Förderprogramm Energie Winterthur. Es unterstützt mit finanziellen Beiträgen die Eigentümerschaft von Immobilien.

 

In einem zweiten Vierjahresbericht hat Stadtwerk Winterthur 2020 detailliert aufgezeigt, wie sich das Förderprogramm Energie Winterthur zwischen 2016 und 2019 entwickelt und welche Wirkung es entfaltet hat. Der Stadtrat hat dem Grossen Gemeinderat den Bericht vorgelegt und dieser hat beschlossen, das erfolgreiche Programm weiterzuführen.

 

2020 wurden vor allem Fördermittel zur Sanierung von Gebäudehüllen gesprochen. Die zugesagten Fördergelder lagen dort rund ein Drittel über dem Vorjahreswert. Deutlich tiefer als 2019 war die Förderung des Ersatzes von Öl- und Gasheizungen mit umweltfreundlicheren Lösungen. Grund dafür war vor allem die Mitte Jahr eingeführte kantonale Förderung, die eine Kürzung der städtischen Beiträge zur Folge hatte. Des Weiteren wurden 2020 anzahlmässig weniger Grossheizungen gefördert als 2019, was zu einer Verminderung der ausgeschütteten Beiträge führte.

 

Im Februar 2020 hat der Verein Energie bewegt Winterthur zusammen mit Stadtwerk Winterthur eine Informationsveranstaltung durchgeführt, die sehr gut besucht gewesen ist. Die Anwesenden haben erfahren, wie sie die Beleuchtung in ihrem Unternehmen oder im Mehrfamilienhaus effizienter gestalten können und welche Fördergelder es dafür gibt.

Kennzahlen Förderprogramm Energie Winterthur

Gesprochene Fördergelder

1,1 Mio. CHF

 

Klimafonds Stadtwerk Winterthur

Der Klimafonds Stadtwerk Winterthur finanziert seit 2007 regionale und lokale Projekte, die den CO2-Ausstoss vermindern, die Energieeffizienz erhöhen oder erneuerbare Energien fördern. Gespeist wird der Fonds von rund 3000 Gönnerinnen und Gönnern, die bei ihrem Stromverbrauch freiwillig einen Zuschlag von 2 Rappen pro Kilowattstunde bezahlen.

 

2020 hat Stadtwerk Winterthur in einer Wirkungsanalyse jene 22 von insgesamt 52 finanziell unterstützten Projekten untersucht, die eine direkte CO2-reduzierende Wirkung aufweisen. Die übrigen Projekte haben primär eine Sensibilisierung zum Ziel. Für diese 22 Projekte hat sich – über die ganze Lebensdauer der Projekte – eine CO2-Reduktion von rund 50 000 Tonnen ergeben. Bei der Analyse ist nur jener Teil der Reduktion berücksichtigt worden, der auf die finanzielle Unterstützung durch den Klimafonds Stadtwerk Winterthur zurückzuführen ist. Die sogenannte Multiplikationswirkung ist in dieser Reduktion nicht berücksichtigt. Es ist aber davon auszugehen, dass ein gefördertes Projekt andere gleichartige Projekte auslöst.

 

Im Berichtsjahr hat der Klimafonds Stadtwerk Winterthur acht Projekteingaben erhalten. Davon ist pandemiebedingt nur eine behandelt worden: das Projekt Urbane Logistik Winterthur des Start-ups Luckabox Logistics AG. Dieses hat 70 000 Franken erhalten. Das Projekt sieht eine Verdichtung des grünen Logistiknetzwerks in Winterthur vor. Luckabox automatisiert mittels einer Online-Plattform die Auftragsabwicklung und bündelt Lieferaufträge. Besonderes Augenmerk gilt der Vermittlung umweltschonender Transportarten wie Velokurier oder Elektrofahrzeug.

Kennzahlen Klimafonds Stadtwerk Winterthur

Gesprochene Förderbeiträge

70 000 CHF

 

Anzahl Gönnerinnen und Gönner

2806

Kundendienst

Beim Kundendienst von Stadtwerk Winterthur ist 2020 die Anzahl Kundenkontakte erneut gestiegen. Ein Grund ist die Coronavirus-Pandemie. Um sowohl die Kundschaft als auch die Mitarbeitenden vor einer Ansteckung zu schützen, sind zeitweise keine Zählerableser unterwegs gewesen. Deshalb sind weniger Energierechnungen ausgestellt worden. Sowohl dies als auch die später gestellte und deshalb betragsmässig höhere Rechnung haben zu etlichen Kundenanfragen geführt. Des Weiteren hat der Wegfall der Produkte E-Strom.Grau und E-Gas.Grau Anfang Jahr zahlreiche – auch negative – Reaktionen ausgelöst und ebenfalls zu einer deutlichen Zunahme der Kontakte beigetragen. Auch die fortlaufende Installation der gesetzlich vorgeschriebenen Smart Meter hat Kundinnen und Kunden veranlasst, den Kundendienst zu kontaktieren.

 

Die Kontaktaufnahme ist auf allen Kanälen erfolgt: telefonisch, per E-Mail oder per Online-Formular und auch persönlich am Schalter von Stadtwerk Winterthur. Obwohl die Anzahl E-Mails um rund 14 Prozent gestiegen ist, dominiert das Telefon als Kommunikationsmittel noch immer.

 

Der 2019 eingeführte neue Inkassoprozess, bei dem als letztmögliche Massnahme der Strom abgestellt wird, zeigt die gewünschte Wirkung. Es werden mehr ausstehende Rechnungen beglichen als bisher.

Kennzahlen Kundendienst

Kundenkontakte Empfang und Kundendienst

96 416

Energie-Contracting und Haustechnik

Das Energie-Contracting von Stadtwerk Winterthur plant, baut, betreibt und unterhält Heiz-, Kälte- und Fotovoltaikanlagen. Die Kundschaft erhält die gewünschte Wärme oder Kälte zu einem vorab definierten Preis. Ähnlich funktioniert das Fotovoltaik-Contracting, bei dem Stadtwerk Winterthur den Solarstrom nutzt oder für die Hauseigentümerschaft vertreibt.

 

Die gesteckten Ziele für den Abschluss neuer Verträge, den Bau von Anlagen beziehungsweise die Realisierung von Anschlüssen an Quartierwärmeverbünde sind 2020 erreicht worden.

 

Ein bedeutendes Projekt, das im Jahr 2020 vorangetrieben worden ist, ist die Wärmeversorgung der Kantonsschulen Im Lee und Rychenberg. Künftig werden die Kantonsschulen mit Abwärme aus der Kehrichtverwertungsanlage beheizt. Stadtwerk Winterthur baut die nötige Anschlussleitung und wird die Wärmeanlage als Energie-Contracting-Lösung betreiben.

 

Für die Fernüberwachung der Energie-Contracting-Anlagen hat Stadtwerk Winterthur 2019 ein neues Leitsystem eingeführt. Dieses hat sich 2020 bewährt.

 

Gemäss Energieplan der Stadt Winterthur ist für das Gebiet Neuwiesen die Nutzung der Wärme des Grundwassers als Energieträger in der Wärmeversorgung vorgesehen. Mit dem Projekt «Aquifer Neuwiesen» hätte ein Quartierwärmeverbund das Gebiet erschliessen sollen. Wegen fehlender Wirtschaftlichkeit hat der Stadtrat dieses Projekt 2017 sistiert. Trotzdem soll der Wärmebedarf dieses Gebiets künftig mit erneuerbaren Energien gedeckt werden. 2020 hat Stadtwerk Winterthur deshalb untersucht, für welche Teilgebiete welche Wärmelösungen infrage kommen: leitungsgebundene Wärmeversorgung, Mikrowärmeverbunde oder Einzellösungen. 2021 werden die Resultate den politischen Gremien vorgelegt und die finanziellen Mittel beantragt.

 

Der Eigenwirtschaftsbetrieb Haustechnik – eine finanzrechtliche Verwaltungseinheit von Stadtwerk Winterthur – ist Ende 2020 nach über 130 Jahren aufgelöst worden. Geänderte Kundenbedürfnisse und ein anspruchsvolles Marktumfeld haben diesen Schritt nötig gemacht. Stadtwerk Winterthur führt fortan keine Elektro-, Heizungs-, Gas- und Sanitärinstallationsarbeiten mehr selber aus. Die bestehenden Wartungsverträge für Gasheizungen sind deshalb im Dezember 2020 gekündigt worden. Sie enden fortlaufend, weshalb die Wartungstätigkeit zusammen mit externen Partnern bis Ende 2021 weitergeführt wird. Die Auflösung des Eigenwirtschaftsbetriebs hat keine Entlassungen zur Folge gehabt. Das Haustechnikteam ist 2019 operativ mit demjenigen vom Energie-Contracting zusammengeführt und allen betroffenen Mitarbeitenden innerhalb von Stadtwerk Winterthur eine Stelle angeboten worden. 

Kennzahlen Energie-Contracting

Umsatz

11 Mio. CHF

 

Investitionen

5 Mio. CHF

Kennzahlen Haustechnik

Umsatz

1 Mio. CHF

 

Piketteinsätze

140

Öffentliche Beleuchtung

Die öffentliche Beleuchtung unterstützt das Ziel, die Stadt Winterthur für die Bevölkerung nachts sicherer und attraktiver zu machen. Gleichzeitig sollen aber die Lichtemissionen und der Energieverbrauch reduziert werden. Die Leuchtdioden (LED)-Technologie sowie neue Lichtsteuerungen unterstützen diese Absicht. Ende 2020 sind rund 42 Prozent der Strassenleuchten mit LED bestückt gewesen (2019: 35 Prozent). Stadtwerk Winterthur strebt an, bis 2025 rund 75 Prozent aller Leuchten und bis 2030 nahezu alle Leuchten auf LED umzurüsten.

 

LED-Leuchten lassen sich mit Bewegungsmeldern und Radarsensoren zur Personen- und Fahrzeugerkennung ausrüsten. Dies ermöglicht eine dynamische Beleuchtungssteuerung: Die Helligkeit wird bedarfsgerecht angepasst. So reduziert sich vor allem auf schwach genutzten Abschnitten wie Quartierstrassen und Radwegen der Energieverbrauch, ohne die Sicherheit zu beeinträchtigen.

 

Das Eidgenössische Starkstrominspektorat verlangt, dass Strassenleuchten mindestens alle fünf Jahre kontrolliert werden. Dies bedeutet, dass Stadtwerk Winterthur jährlich rund 2000 der über 11 000 Leuchtstellen kontrollieren muss. 2020 sind 3700 Leuchtstellen überprüft worden, weil die Coronavirus-Pandemie das Ausführen anderer Arbeiten verunmöglicht hat.

 

Das Bundesamt für Strassen hat entschieden, die Autobahnumfahrung Winterthur nicht mehr zu beleuchten. Deshalb hat Stadtwerk Winterthur im Berichtsjahr in Töss Strassen und Velowege, die bisher vom Autobahnlicht erhellt worden sind, mit einer eigenen Beleuchtung ausgerüstet.

 

Mit dem Beschluss des Grossen Gemeinderats vom 21. September 2020 wird die öffentliche Beleuchtung formell als eigene Produktegruppe im Budget und in der Rechnung der Stadt Winterthur geführt. Organisatorisch und operativ bleibt die öffentliche Beleuchtung Stadtwerk Winterthur zugeordnet.

Kennzahlen Öffentliche Beleuchtung

Leuchtstellen

11 081

 

Energieverbrauch Leuchtstellen

3 Mio. kWh

 

Investitionen

3 Mio. CHF

vier orange Bälle
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Information und Sensibilisierung

Die getroffenen Massnahmen rund um die Coronavirus-Pandemie mussten intern und extern kommunikativ begleitet werden. Die Aktivitäten für die externe Kommunikation waren vielseitig: Die geänderten Modalitäten der Zählerablesung haben Informationsbedarf bewirkt, ebenso die Legionellenprävention bei pandemiebedingt unbenutzten Wasserleitungen. Eine wichtige Rolle kam der Website von Stadtwerk Winterthur zu, inklusive der bestehenden Online-Dienste für die Abwicklung verschiedener Geschäftsfälle.

 

Während der Pandemie ist in erster Linie die kontinuierliche interne Information und die Kommunikation zu den Mitarbeitenden auf allen Ebenen gefordert. Um diese zu verbessern, hat Stadtwerk Winterthur die Einführung einer schon früher geplanten digitalen Kommunikationsplattform forciert. Dank einer dazugehörigen Smartphone-App sind jene Mitarbeitenden, die nur selten oder nie am Computer arbeiten, besser mit Informationen erreichbar. Zudem ermöglicht die Plattform eine unmittelbare bidirektionale Kommunikation von überall her. Die Mitarbeitenden sind somit besser in die Organisation eingebunden.

 

Stadtwerk Winterthur fungiert innerhalb der Winterthurer Stadtverwaltung als Pilotbetrieb für diese Art von Kommunikation. Stadtwerk Winterthur hat 2020 erneut eine Kundenumfrage durchgeführt. 300 Winterthurer Privatpersonen sind im Sommer befragt worden, und die Ergebnisse sind erfreulich: Stadtwerk Winterthur ist fast allen bekannt, und die Kundschaft hat eine gute Übersicht über das Leistungsangebot. 83 Prozent haben ein positives Bild von Stadtwerk Winterthur. Das Unternehmen wird als zuverlässiges und in der Krise verlässliches Unternehmen wahrgenommen. Potenzial gibt es im Bereich der Kümmerbereitschaft.

 

Veranstaltungen und Betriebsführungen mussten pandemiebedingt grösstenteils abgesagt werden. Ebenso musste der Energie-und Abfallunterricht an der Volksschule teilweise eingestellt oder digital durchgeführt werden. Einzelne Sponsoring-Engagements konnten ebenfalls nicht wie geplant über die Bühne gehen.

 

Kennzahlen Information und Sensibilisierung

Anzahl Lektionen Energie- und Klimaunterricht

89

 

Teilnehmende Energie- und Klimaunterricht

1170

 

Anzahl Führungen

17

 

Teilnehmende Führungen

268

vier orange Bälle
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Finanzinformation

Erfolgsrechnung

2020

in 1000 CHF

2019

in 1000 CHF

Total Betriebsertrag 239 013 242 661
Total Betriebsaufwand -210 304 -225 879
Ergebnis vor Vergütungen 43 696 36 155
Unternehmensgewinn 32 653 24 750

Bilanz

31.12.2020

in 1000 CHF

31.12.2019

in 1000 CHF

Aktiven
Umlaufvermögen 75 611 78 050
Anlagevermögen 957 739 969 637
Total Aktiven 1 033 350 1 047 687
Passiven
Fremdkapital 205 326 253 339
Eigenkapital 828 024 794 348
Total Passiven 1 033 350 1 047 687

Detaillierte Informationen zu Erfolgsrechnung und Bilanz finden Sie im Auszug Finanzinformation.

Zahlen und Fakten

Detaillierte Informationen zu Zahlen und Fakten finden Sie im Auszug Zahlen und Fakten.

Das Jahr in Kürze

Per 1. Januar 2020 hat Stadtwerk Winterthur den Biogasanteil im Treibstoff von 10 auf 20 Prozent verdoppelt. Jährlich werden dank der Erhöhung rund 22 Tonnen CO2-Emissionen vermieden. Das trägt zur Erreichung der energie- und klimapolitischen Ziele der Stadt Winterthur bei.

Die Pandemie, ausgelöst durch das Coronavirus SARS-CoV-2, hat die Schweiz erreicht. Am 16. März beschliesst daher der Bundesrat einen schweizweiten Lockdown. Betriebe ausserhalb der Grundversorgung werden geschlossen, Arbeitnehmende wo immer möglich ins Homeoffice geschickt und unterrichtet wird zu Hause. Die Schweiz steht praktisch still. Stadtwerk Winterthur trifft die nötigen Vorkehrungen, um die Versorgung mit Energie und Wasser, den Glasfasernetzbetrieb sowie die Abwasserreinigung und Kehrichtverwertung der Stadt Winterthur aufrechtzuhalten. Verschiedene Dienstleistungen mit Kundenkontakt werden eingeschränkt. Die dafür aktivierten Pandemiepläne dienen dem Schutz der Mitarbeitenden und der Kundschaft. Bereits in der ersten Woche des Lockdowns zeigt sich vom Morgen bis Mittag ein anderes Stromverbrauchsprofil als üblich; der Absatz geht in dieser Phase um 20 Prozent zurück.

Der Stadtrat beantwortet am 15. April ein Postulat des Grossen Gemeinderats rund um die Zukunft der Winterthurer Gasversorgung. Das Gasnetz soll mittel- bis langfristig verkleinert werden und nur noch erneuerbares Gas durchleiten. Als weitere Massnahme verkauft Stadtwerk Winterthur seit dem 8. April Gasanschlüsse nicht mehr aktiv.

 

Am 24. April informiert Stadtwerk Winterthur über das sehr erfolgreiche Geschäftsjahr 2019. Nach Abzug der finanziellen Vergütung von 11,4 Millionen Franken an den steuerfinanzierten Haushalt der Stadt Winterthur resultiert ein Gewinn von knapp 25 Millionen Franken. Der Betriebsertrag beläuft sich auf 243 Millionen Franken. Insbesondere die Geschäftsbereiche Stromhandel, Stromproduktion und Fernwärme haben zum guten Ergebnis beigetragen.

Am 11. Mai nimmt Stadtwerk Winterthur die im März reduzierten Dienstleistungen gestaffelt und unter Einhaltung verschiedener Schutzvorkehrungen wieder auf.

Die Kantonsschulen Im Lee und Rychenberg werden künftig mit umweltfreundlicher Abwärme aus der Kehrichtverwertungsanlage geheizt. Die geplante Energie-Contracting-Lösung von Stadtwerk Winterthur ersetzt die bestehende Gasheizung. Am 3. Juli bewilligt der Stadtrat für das Projekt einen Objektkredit von 1,57 Millionen Franken.

 

Am 17. Juli brennt es kurz nach Mitternacht im Bunker der Kehrichtverwertungsanlage. Das Feuer breitet sich im Bunker rasch aus. Es kommt zu einer starken Rauchentwicklung. Bis die Feuerwehr von Schutz und Intervention Winterthur den Brand gelöscht hat, können keine Anlieferungen erfolgen. Sie werden am 20. Juli wieder aufgenommen.

Stadtwerk Winterthur vermeldet am 4. August, eine öffentliche Ausschreibung der kantonalen Baudirektion gewonnen zu haben. Ab 2021 liefert Stadtwerk Winterthur für drei Jahre jeweils 60 Gigawattstunden Strom für Liegenschaften der kantonalen Verwaltung. Das entspricht 10 Prozent des jährlichen Winterthurer Stromverbrauchs.

 

Am 17. August beantworten drei Winterthurer Stadträte anlässlich einer Medienkonferenz die zum Klimaschutz eingereichten zahlreichen parlamentarischen Vorstösse und ordnen sie in die städtische Klimapolitik ein. Einer von ihnen ist Stefan Fritschi, Vorsteher des Departements Technische Betriebe, dem Stadtwerk Winterthur untersteht. Er teilt beispielsweise mit, dass der Stadtrat das energetische Potenzial von Abwasserreinigungs- und Kehrichtverwertungsanlage optimaler nutzen möchte. Weiter plant der Stadtrat, bis 2025 auf städtischen Liegenschaften 100 zusätzliche Fotovoltaikanlagen zu bauen.

 

Die Strom- und Gaskosten 2021 kommuniziert Stadtwerk Winterthur am 28. August. Die Kosten sinken insgesamt aufgrund einer günstigeren Beschaffung der Energie. Beim Gas reduzieren sich die Tarife dank eines einjährig gewährten Bonus, und die Produkte in der Grundversorgung werden ökologischer.

Am 21. September beschliesst der Grosse Gemeinderat die Auflösung des Eigenwirtschaftsbetriebs Haustechnik von Stadtwerk Winterthur. Er bewilligt zur Deckung der negativen Betriebsreserve sowie zur Neubildung der aufgelösten Vorsorgeverpflichtungen 3 Millionen Franken zulasten des steuerfinanzierten Haushalts der Stadt Winterthur.

Im März 2020 hat Stadtwerk Winterthur mit dem Bau der neuen Leitungen für das Reservoir Waldhof auf dem Brühlberg begonnen. Der Leitungsbau erfolgt im Steilhang zwischen dem gleichnamigen Bauernhof sowie den Eulachhallen. Das Ergebnis der bakteriologischen Untersuchung der neuen Wasserhauptleitung ist ausgezeichnet und die Leitungen werden am 6. Oktober in Betrieb genommen.

 

Am 30. Oktober überweist der Stadtrat einen Antrag an den Grossen Gemeinderat betreffend finanzielle Vergütung 2021 an den steuerfinanzierten Haushalt der Stadt Winterthur. Insgesamt soll Stadtwerk Winterthur 11,4 Millionen Franken vergüten.

Der Pilottest Blockchain im Energiebereich ist beendet. Stadtwerk Winterthur hat bei diesem Test eine Eigenverbrauchsgemeinschaft mittels Blockchain-Technologie verwaltet. Aufgrund der Erkenntnisse wird die Technologie vorerst nicht für Geschäftsprozesse eingesetzt.

 

Am 30. November bewilligt der Grosse Gemeinderat den Kredit für das Vorprojekt Erneuerung der Verbrennungslinie 2 der Kehrichtverwertungsanlage (KVA). Neben der Verbrennungslinie 2 soll auch die Abwasserbehandlungsanlage der KVA erneuert werden.

Das Bundesamt für Energie veröffentlicht im Dezember die Resultate der alle zwei Jahre durchgeführten Benchmarking-Studie. Die Studie beurteilt Unternehmen und ihre Aktivitäten hinsichtlich erneuerbarer Energien und Energieeffizienz im Strom- sowie Wärme-/Gasbereich. Sie weist den Stand bezüglich Konformität mit der Energiestrategie des Bundes aus. Stadtwerk Winterthur berichtet am 11. Dezember über das erreichte, sehr gute Resultat: im Bereich Wärme und Gas Platz 6 (von 61), im Bereich Strom Platz 7 (von 93). Im Vergleich zur Erhebung von 2018 hat Stadtwerk Winterthur insbesondere bei den erneuerbaren Energien zugelegt.